Gemeinsam mit dem Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung veröffentlicht das Internationale Netzwerk Gesundheitspolitik einen vierteljärlich erscheinenden Newsletter. Ausgabe 3/08 beschäftigt sich mit gesundheitlicher Ungleichheit.
Gesundheitliche Ungleichheiten sind eine große Herausforderung für die deutsche Gesundheitspolitik. Durch eine Vielzahl von Studien wissen wir, dass sich soziale Unterschiede in der Bildung, im beruflichen Status und im Einkommen auf die gesundheitliche Lage der Menschen und ihre Lebenserwartung auswirken. Dabei sind Menschen aus unteren sozialen Schichten besonders benachteiligt.
Im Jahr 2005 fand das Thema Eingang in das Gutachten des Sachverständigenrates für konzertierte Aktion im Gesundheitswesen und in den Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung: die bisher vor allem wissenschaftlich geführte Diskussion hat die politische Agenda erreicht. Bei der Suche nach Lösungen für eine gerechtere Verteilung von Gesundheitschancen lohnt sich der Blick in andere Länder wie Finnland, wo sich die Politik bereits seit 20 Jahren mit dem Thema beschäftigt.

Das Programm "Evidenzbasierte Politikstrategien" der Bertelsmann Stiftung hat am Donnerstag, den 10. Juli 2008, zentrale Entscheidungsvorbereiter aus Politik, gesundheitlicher Selbstverwaltung, Wissenschaft und Gesellschaft eingeladen, um im kleinen Kreis zentrale gesundheitspolitische Problemfelder zu diskutieren. Dabei ging es um die Frage, wie stark ausgeprägt Phänomene der sozialen Ungleichheit in der deutschen ambulanten Versorgung sind und welche Ansätze es in anderen Ländern gibt, um mit ungleichen Teilhabepotenzialen in der Bevölkerung umzugehen.
Im ersten Vortrag berichtete Jan Böcken, Projektleiter des Gesundheitsmonitors der Bertelsmann Stiftung, auf der Basis der Bevölkerungsbefragungen des Gesundheitsmonitors über die Situation in der ambulanten Versorgung in Deutschland. Dabei waren für die vertikale Ebene - also für die Merkmale Bildung, Einkommen und beruflicher Status - kaum Anzeichen sozialer Ungleichheit feststellbar. Für die horizontale Ebene - also für Merkmale wie Alter, Region oder Geschlecht - waren dagegen auffällige Unterschiede zu erkennen.
"Wir wissen in Deutschland relativ viel über Ungleichheiten in der gesundheitlichen Belastung oder bezüglich der Bewältigungsressourcen für Gesundheitsprobleme", so Böcken. Die Gesundheitsversorgung wird hingegen als "Blinder Fleck" bezeichnet. Die Daten des Gesundheitsmonitors erlaubten ein Urteil über einen der großen gesundheitlichen Versorgungsbereiche in Deutschland.
Im zweiten Vortrag berichtete Dr. Marita Sihto, Senior Researcher am National Research and Development Centre for Welfare and Health (STAKES) in Helsinki, von Finnlands Strategien gegen gesundheitliche Ungleichheit und den dortigen Erfahrungen. Das "TEROKA-Projekt" erforscht seit den 90er Jahren gesundheitliche Ungleichheit in Finnland und erarbeitet Lösungsstrategien. Jetzt soll ein nationaler Aktionsplan bis 2015 die Mortalitätsunterschiede zwischen verschiedenen sozialen Gruppen um ein Fünftel reduzieren.
Gemeinsam mit dem Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung veröffentlicht das Internationale Netzwerk Gesundheitspolitik einen vierteljärlich erscheinenden Newsletter. Ausgabe 3/08 beschäftigt sich mit gesundheitlicher Ungleichheit.
Heike Clostermeyer
Phone:05241-81-81381
E-mail:heike.clostermeyer@ bertelsmann-stiftung.de