Internationale Fachtagung der Bertelsmann Stiftung in Kooperation mit Kaiser Permanente
Erfolgreiche integrierte Versorgung braucht innovative Kommunikations- und Informationstechnologien, Versorgungsteams unter ärztlicher Leitung und Patienten, die Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen. Das war eine der Kernaussagen der US-deutschen Fachtagung in Berlin. Die zweitägige Veranstaltung der Bertelmann Stiftung "Die Richtung stimmt: Populationsorientierte integrierte Versorgung" stand unter Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Gesundheit und fand in Kooperation mit dem führenden Anbieter integrierter Versorgung in den USA, Kaiser Permanente, statt. Ein Ziel: Von den Erfahrungen des US-amerikanischen Anbieters zu lernen.

"Zwar ist das deutsche Gesundheitssystem in Sachen integrierter Versorgung auf dem richtigen Weg. Dennoch brauchen wir ständig neue Ideen und Modelle, um die bestehende Fragmentierung der Versorgung und der Finanzierung zu überwinden", betonte Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, zu Beginn der Tagung. Daher lohne ein Blick in andere Länder - so wie der zu Kaiser Permanente in den USA. Kaiser Permanente verbindet drei zentrale Maßnahmen: Neben leistungsfähigen kommunikativen und technologischen Instrumenten garantiert vor allem die intensive Einbindung von Ärzten in die Gestaltung des Systems sowie die Aktivierung und Eigenverantwortung der Patienten den Erfolg des Versorgungssystems.
Gerade die zahlreichen von Kaiser Permanente eingesetzten Management- und Informationsinstrumente seien auch für die deutschen Anbieter integrierter Gesundheitsversorgung interessant, so Brigitte Mohn. Das Unternehmen setzt auf webbasierte Informationen für Patienten, automatisierte E-Mail-Erinnerungen und elektronische Erfassung von wichtigen Patientendaten zu Hause. Außerdem stellt der Anbieter seinen Versicherten Informationen in verschiedenen Formen zur Verfügung: in Handbüchern, als Audio-Dateien, als Online-Videos oder in Form von Videospielen.
Die Kommunikation per E-Mail oder Telefon zwischen Patient und Arzt oder Versorgungsteam ersetze viele unnötige Arzttermine und spare Zeit und Aufwand auf beiden Seiten, erläuterte Francis J. Crosson, Vorstand der Permanente Federation. Das Verhältnis von persönlichen zu telefonischen Arzt-Patienten-Kontakten habe sich von 80:20 auf 20:80 umgekehrt - ohne Qualitätsverluste und mit hohem Zuspruch auf beiden Seiten.
Ärzte sind bei Kaiser Permanente als Führungskräfte im Management beteiligt und erhalten eine entsprechende Zusatzausbildung. Durch angemessene Vergütung und zusätzliche Anreize werden Qualität und Leistungsbereitschaft belohnt. "Die gute Einbindung der Ärzte ist Schlüssel für ein erfolgreiches integriertes System", so Francis J. Crosson. Die Ärzte fühlten sich optimal unterstützt, könnten sich auf ihre Arbeit als Mediziner konzentrieren und seien zufriedener in ihrem Beruf.
Auch seien die Patienten nicht nur Empfänger von Versorgung, sondern Partner in der Behandlung. Die Erfahrungen von Kaiser Permanente zeigen: Verständliche Informationen, gemeinsame Entscheidungsfindung sowie das Vereinbaren von realistischen und individuellen Zielen für die Erhaltung der eigenen Gesundheit führen zu besseren klinischen Ergebnissen, geringeren Kosten und mehr Patientenzufriedenheit.
Dass integrierte Versorgung für ein Mehr an Qualität sorgen kann, bestätigte Lawrence Casalino, Versorgungsforscher an der Universität von Chicago: "In Einzelpraxen wird Qualität durch den behandelnden Arzt geleistet. Durch die koordinierte Betreuung zwischen den einzelnen Arztbesuchen oder Krankenhausaufenthalten können integrierte Versorgungssysteme zusätzliche Qualität leisten." Zudem werde die Gesundheitsversorgung insgesamt effizienter.
Mit den Experten aus den USA diskutierten bei der Fachtagung rund 110 Teilnehmer aus dem Gesundheitsbereich - unter ihnen Vertreter aus Ärzteschaft, Gesundheitswirtschaft und Politik sowie Vertreter von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen.
Die Fachtagung verband wissenschaftliche Forschungsergebnisse mit Berichten aus der klinischen Praxis.
Lawrence Casalino, MD, MPH, Ph.D.,
lehrt heute Gesundheitswissenschaften an der Universität von Chicago, mit einem persönlichen Hintergrund von 20 Jahren Erfahrung als niedergelassener Arzt. Für seine Studien zu
integrierter Versorgung, Disease Management und den Auswirkungen verschiedener Formen des Versorgungsmanagements auf Qualität und Kosten hat er 1999 den ""Investigator Award in Health Policy
Research" der Robert Wood Johnson Foundation und 2005 ein Stipendium "Veränderungen in Gesundheitsfinanzierung und -organisation" von AcademyHealth erhalten. Er wird seine Forschungsergebnisse
zu den Schlüsselfaktoren für den Erfolg eines integrierten Versorgungssystems präsentieren und darstellen, wie durch Managementstrukturen, Teamarbeit, Kommunikation und Evaluation eine
bessere Gesundheitsversorgung erzielt werden kann.
Erfahrene Ärzte und Top-Manager von Kaiser Permanente schilderten aus ihrer Praxis, was die Arbeit in und für die integrierte Versorgung für Mediziner lohnend und für
Patienten und ihre Familien wertvoll macht. Sie legten dar, warum integrierte Versorgung in Zeiten steigender Kosten und knapper Budgets eine effiziente Lösung ist.
Francis J. Crosson, MD,ist Vorstand der Permanente Federation, des Spitzenverbands für die neun Permanente Medical Groups der USA, und hat den Ko-Vorsitz
der Kaiser Permanente Partnership Group (KPPG), der Management Gesellschaft von Kaiser Permanente. Er ist Vorstandsvorsitzender der American Medical Group Association (AMGA) und
Vorsitzender des Council of Accountable Physician Practices (CAPP), einer Partnerorganisation von AMGA. CAPP, 2002 von Dr. Crosson gegründet, ist eine Allianz von
23 der größten multidisziplinären Gruppenpraxen der USA, die sich für ein besseres Gesundheitssystem einsetzen. Seit 2004 ist Dr. Crosson darüber
hinaus Mitglied der Medicare Payment Advisory Commission (MedPAC), die den US-Kongress zu Medicare berät.
Sharon Levine, MD, ist Expertin für Gesundheitspolitik und -systeme. Als stellvertretende Vorsitzende der Permanente Medical Group of Northern California ist Dr.
Levine verantwortlich für die Anwerbung von Ärzten sowie deren Weiterbildung in den Bereichen klinische Praxis, Management und Führungsqualifikationen. Darüber hinaus pflegt
sie die Beziehungen zu Vertretern von Regierungen und Kommunen. Dr. Levine hat seit 1977 als Kinderärztin innerhalb der The Permanente Medical Group praktiziert und seither
verschiedenen Führungspositionen bekleidet. Darüber hinaus hat sie Lehraufträge an der Tufts University School of Medicine and Georgetown University School of Medicine.
Rachelle Mirkin, MPH,
ist Geschäftsführerin der Abteilung für Gesundheitserziehung bei Kaiser Permanente Northern California. Sie ist verantwortlich für die Integration von
Gesundheitsförderung und Prävention, Bevölkerungsmanagement und gesundheitsförderndes Verhalten in alle Ebenen der Versorgung. Bevor sie 1995 zu Kaiser Permanente kam, war
sie Mitarbeiterin des Care Management Institute an der Universität von Kalifornien in San Francisco, des National Center for Education in Maternal and Child Health und
des U.S. Center for Disease Control and Prevention.
Murray Ross, Ph.D.,ist Direktor für Analyse und Forschung am Kaiser Permanente Institut für Gesundheitspolitik. Er plant und steuert die Forschungsaktivitäten des
Instituts zu den Themen Versicherungsleistungen und Marktstabilität, Technologiefolgeabschätzung und Qualität der Versorgung. Darüber hinaus berät Dr. Ross die
Führung von Kaiser Permanente zu Fragen der Finanzierung der Versorgung und Medicare. Er gehört zur Führung des Kaiser Permanente Aging Network und ist Berater am Zentrum für
Versorgungsforschung in der Primärversorgung an der University of California, Davis.
W. Warren Taylor, Jr., MD,
ist seit 1984 Mitglied der Permanente Medical Group und praktiziert als Allgemeinmediziner in der Klinik von Napa, Kalifornien. Während seiner Zeit als Chefarzt in der Napa Klinik
von 1994 bis 1999 leitete er eine Reihe von Projekten zur Verbesserung der Primärversorgung und der Chronikerversorgung. Seit 2000 ist er Medizinischer Direktor
für Chronikerversorgung in der Permanente Medical Group, wo er in den Bereichen Adipositas, Förderung des Selbstmanagements, Entwicklung und Einführung von
IT-Lösungen für Bevölkerungsmanagement und Arzneimittelpolitik tätig ist.